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Bonjour!

Lost In Moon River

12. Juli 1793

Ich kann nicht glauben, dass Sophie ein derart teuflisches Wesen sein kann. Wie sie vor mir tanzte, nur mit einem transparenten Stück Stoff bekleidet. Ihr makelloser Körper schimmerte hindurch, ihr koketter Blick verhieß sinnliche Freuden, ihre Lippen versprachen das Paradies. Ihre kreisenden Bewegungen wehten einen hauchzarten Duft zu mir, als spazierten wir verliebt durch einen Garten voller saftiger Früchte und bunter Blumen. Gemeinsam schauten wir zum Mond am wolkenlosen Nachthimmel. Eine weiße Kugel auf einer schwarzen Leinwand. Schwarz und weiß. Gut und böse. Im Augenwinkel sah ich, wie die grässliche Narbe in Sophies Gesicht vibrierte. Sie stammte wohl nicht von einem Hundebiss, wie mir Immanuel versichert hatte. Die Herkunft war so viel furchterregender. Ihr grob geschmiedeter Ring in der Form einer Schlange, die sich in den Schwanz biss, pulsierte in verschiedenen Blautönen. Der Farbe der Harmonie und des Vertrauens, aber auch der Kälte und Lüge.

Wer bist Du, Sophie? Kann ich Dich vielleicht doch erlösen? Oder ist es nur Dein Tod, der mir das Leben schenkt? In einer alten Schrift hatte Immanuel ein Ritual entdeckt, das mich von Sophies teuflischen Fluch befreien kann. Immer wieder hatte er es mir Schritt für Schritt erläutert und mir die nötigen Instrumente gegeben. Einen Tropfen ihres Blutes bei Vollmond entnehmen, die Essenz daraus gewinnen, diese mit der Essenz meines Blutes vermischen und dann Sophie injizieren. Sie würde sterben und der Fluch mit ihr.

Mein Herz begann zu rasen. Der nächste Vollmond ist nur noch wenige Nächte entfernt.

Was würde wohl passieren, wenn ich ihren Schlangenring auf meinen Finger streife? Reise ich dann an ihrer Statt von einem Leben ins nächste? Was für eine faszinierende Vorstellung. Würde es meinem nächsten Ich gelingen, das perfekte Parfum zu kreieren? Oder erst dem übernächsten?

Soll ich dieser Verlockung folgen und die Warnungen Immanuels ignorieren?